Sigmund Freud Universit├Ąt - Berufung zur Parodontologie

Seit rund einem Jahr ist Prof. Dr. Hady Haririan, PhD, MSc, Leiter der Abteilung für Parodontologie an der Zahnklinik der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien (SFU). Aus diesem Anlass führte ZMT mit ihm ein Interview.

Wie sah Ihr Weg zum Parodontologie-Lehrstuhl und Abteilungsleiter aus?

HARIRIAN: Ich habe in Graz Zahnmedizin studiert und war dann 10 Jahre Assistent an der Uni-Zahnklinik Wien, habe viel gelernt, den Paro-Master absolviert und wurde immer unterstützt. Speziell von Frau Prof. Rausch-Fan wurde ich sehr gefördert, ohne sie würde ich jetzt nicht hier sitzen. Im Herbst letzten Jahres habe ich im Fach „Parodontologie“ habilitiert, wobei es als Kliniker schwieriger ist, sich zu habilitieren, noch dazu mit zwei kleinen Kindern. Wissenschaftliche Arbeiten müssen in der Freizeit geschrieben werden, die klinische Expertise spielt bei der Habilitation keine Rolle. Hinzu kommt, dass es in der Zahnmedizin nur wenige Top-Journals gibt, Publikationen in solchen Zeitschriften aber für die Habilitation notwendig sind. Mit der Habilitation hatte ich an der Klinik den Plafond erreicht, hatte nicht einmal die Möglichkeit, Assoz.-Prof. zu werden. Es gibt übrigens viele engagierte Kolleginnen und Kollegen, bei denen karrieremäßig nichts mehr weitergeht und für die es keine Perspektiven gibt. Da hat sich diese Tür an der SFU geöffnet, und ich fand, man sollte durchgehen, bevor sie sich wieder schließt. Ich wurde vom Rektor Prof. Pritz an die SFU berufen und bin im besten Einvernehmen von der Uni-Zahnklinik geschieden. Ein Lehrstuhl für Parodontologie ist international üblich, durch einen solchen Lehrstuhl gewinnt das Fach an Wertigkeit und rückt mehr in den Fokus. Für die SFU ist er in Österreich ein Alleinstellungsmerkmal. Ich bin seit 1.1. Abteilungsleiter, bald danach kam Corona, und die Berufungsfeier musste auf September verschoben werden. Sie fand dann mit Masken statt.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit an der SFU besonders? Was ist der Unterschied zur MedUni Wien?

HARIRIAN: Ich habe das Glück, mich an der eigenen Abteilung verwirklichen und neu positionieren zu können, in Lehre und Forschung, und viele Freiheiten zu haben. Wir sind ein junges Team mit Zukunftsvisionen, die Abteilungen greifen gut ineinander. Die Zahnklinik der MedUni Wien hat keine Abteilungen mehr, sondern Fachbereiche mit geringerer Eigenständigkeit. Mir gefällt auch das Universitätsgebäude, die Dachterrasse mit Kräutergarten, weiters gibt es auf jeder Ebene an den Ecken Shared Spaces, die den Austausch erleichtern. Für die Studierenden ist auch die Nähe zur U-Bahn und zum Prater günstig. Die Studierenden arbeiten in den Räumen der unterschiedlichen Fachbereiche, wir haben kein Unit-System. Im Unterschied zur MedUni Wien ist die Sterilisation nicht teilweise extern, sondern auf der gleichen Ebene wie die Ambulanz angesiedelt. Die Studenten haben permanent mit dem Fach Parodontologie zu tun, es kommen immer wieder entsprechende Elemente vor, nicht alles auf einmal in einem Block. Ich kann auch flexibel sein und einmal mehr praktische Module durchmachen, einmal mehr theoretische. Generell ist die Flexibilität höher als auf der MedUni Wien. Das Bachelor/Mastersystem erleichtert vieles, so kann man etwa nach dem Bachelorstudium Humanmedizin und einem Vorbereitungskurs auf Zahnmedizin umsteigen. Die Studierenden werden immer mehr, anfangs waren die 50 Studienplätze zur Hälfte besetzt, mittlerweile sind sie es zur Gänze. Die Uni wird sich sicher noch erweitern.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

HARIRIAN: Derzeit steht die Lehre im Vordergrund (online arbeiten wir übrigens mit MS Teams), wenn diese gefestigt ist, möchten wir auch postgraduelle Lehre und eine PAss-Ausbildung etablieren. Auch Projekte in der Gerostomatologie sind im Gespräch. 2/3 der Senioren leiden unter einer Parodontitis, der Behandlungsbedarf verschiebt sich ins höhere Alter. Hier gibt es eine massive Unterversorgung mit entsprechenden Konsequenzen wie Malnutrition, man sollte unbedingt gegensteuern. Die SFU hat ja langjährige Erfahrung mit Psychologie und Psychotherapie, hier gibt es viele Schnittstellen mit der Zahnmedizin/Parodontologie, die man auch nutzen kann. Auf jeden Fall will ich mich nicht durch alle möglichen Raster und Muster einschränken lassen oder weil es das Computerprogramm so vorgibt. Für sehr wichtig halte ich die internationale Zusammenarbeit, ich habe von meinem ERASMUS-Semester in Paris sehr viel mitgenommen, konnte über den Tellerrand schauen. Studierende sollten schon undergraduate z.B. ein Semester im Ausland verbringen.

Gibt es noch einen Punkt, der Ihnen am Herzen liegt?

HARIRIAN: Ich verstehe die Spannungen zwischen öffentlichen und privaten Universitäten nicht; ich sehe uns überhaupt nicht als Konkurrenz, vielmehr als Ergänzung. Etwa wenn jemand die Aufnahmeprüfung an einer öffentlichen Uni nicht geschafft hat, aber unbedingt Zahnärztin/Zahnarzt werden will, die Eignung, überprüft u.a. durch einen Test, hat und auch die Eltern sehr glücklich wären, wenn der Sohn/die Tochter die mühsam aufgebaute Ordination übernimmt. Zudem ist es für eine öffentliche Uni doch eigentlich eine Auszeichnung, wenn von ihnen Ausgebildete später Professoren an einer Privatuni werden. Und wieso sollte es keine Kooperationen geben? Das verstehe ich nicht.

Herzlichen Dank für das Interview!

Priv.-Doz. Dr. PETER WALLNER
Umweltmediziner und Medizinjournalist
peter.wallner4@gmail.com

Berufungsfeier: v.l.n.r: Rektor. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Alfred Pritz, Prof. Haririan und Prof. DDr. Christian Kratzik, Dekan der SFU Med.