Die intraorale Fotografie dient nicht nur der Analyse und Verlaufskontrolle, sondern auch der Kommunikation zwischen Behandler, Patient und Fachkollegen. In den letzten Jahrzehnten haben sich sowohl die technische Ausstattung als auch die Anforderungen an medizinische Fotografien stark verändert.
Kameraarten im Vergleich: Spiegelreflex versus Smartphone
Traditionell gilt die digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) in Verbindung mit einem Makroobjektiv und Ringblitz als Goldstandard für intraorale Aufnahmen. Diese Kombination ermöglicht hohe Schärfentiefe, exzellente Farbwiedergabe und konsistente Bildqualität. Ein Nachteil sind die oft relativ hohen Anschaffungskosten und das Gesamtgewicht von rund 2 Kilogramm.
Aktuelle Smartphone-Kameras haben hier aufgeholt. Die meisten Mitarbeiterinnen sind mit der Kamera ihres Smartphones bestens vertraut, während für die Verwendung einer DSLR in der Regel Einschulungen notwendig sind. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit der Aufnahmequalität von Smartphones im zahnmedizinischen Kontext, kommt aber zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.
Was ist ein gutes intraorales Foto?
Für die wissenschaftlich verwertbare intraorale Fotografie sind reproduzierbare Aufnahmestandards erforderlich (siehe dazu: „The IMI National Guidelines for Orthodontic Photography“, https://www.imi.org.uk).
Dazu gehören:
• Aufnahmeposition: Patientenkopf in neutraler Lage, Kamera auf Augenhöhe.
• Beleuchtung: Möglichst schattenfreie Ausleuchtung, bevorzugt durch Blitzsysteme (Ringblitz oder Zangenblitz)
• Bildschärfe: Maximale Tiefenschärfe durch geeignete Blendeneinstellung (bei DSLR f/22 empfohlen).
• Standardisierte Ansichten: Frontale Okklusionsansicht, rechte und linke Seitenansicht, Oberkiefer- und Unterkieferokklusalansicht (Abbildungen 1 und 2)
• Reproduzierbarkeit: Einheitliche Distanz und Winkel, um Verlaufskontrollen vergleichbar zu machen.
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Überblick Spiegelreflexkamera
Unterschiede zwischen Spiegelreflexkameras betreffen vor allem den Sensor. Das heute gängige, klassische Sensorformat ist das Kleinbildformat. Hierauf beziehen sich viele Angaben, etwa die Brennweitenangaben der Objektive. Diese Größe hat der Vollformatsensor. Er wird in teureren, größeren spiegellosen Systemkameras und Spiegelreflexkameras verwendet. APS-C Sensoren hingegen sind kleiner und günstiger in der Produktion. Sie verursachen bei gleicher Blende eine größere Schärfentiefe, was in der Zahnmedizin durchaus erwünscht ist. Bei den Objektiven ist ein zentrales technisches Kriterium die Wahl der Brennweite. Teleobjektive liefern eine naturgetreue Abbildung mit geringer perspektivischer Verzerrung. Für die dentale Fotografie hat sich deshalb eine Brennweite im Bereich von 90–105 mm etabliert. Makroobjektive mit diesen Brennweiten kombinieren die Telewirkung (angenehmer Arbeitsabstand, keine Verzerrung) mit echter Makrofähigkeit (scharfe Nahaufnahmen). Abbildung 1 zeigt einen intraoralen Fotostatus, der mit einer Spiegelreflexkamera aufgenommen wurde.
Überblick Smartphone-Kamera
Hauptkameras von Smartphones verfügen über lichtstarke Objektive und eine Softwareunterstützung, die auch unter schwierigen Lichtbedingungen detailreiche Aufnahmen erlaubt (Abbildung 2). Für die intraorale Fotografie ist jedoch entscheidend, dass die Bildgeometrie stabil bleibt, und unnötige Verzerrungen vermieden werden. Aktuelle Studien zur Vergleichbarkeit von Smartphones und Spiegelreflexkameras in der dentalen Fotografie liefern widersprüchliche Ergebnisse [1-3]. Eine dieser Studien ergab, dass intraorale Aufnahmen, die mit Smartphones angefertigt wurden, besser bewertet wurden als Fotos einer Spiegelreflexkamera [1]. In einer anderen Studie konnte kein Unterschied festgestellt werden [2], während eine dritte Studie aufgrund von Verzerrungen der Aufnahmen von der Verwendung von Smartphones abriet [3]. Interessanterweise schien die Qualität der Smartphones in diesen Studien keinen Einfluss auf die Bildqualität zu haben. Worin lag also der Unterschied? Wichtig waren Aufnahmetechnik und die Kameraeinstellungen: Entscheidend ist, dass der Makromodus deaktiviert und die Hauptkamera (1x bzw. 2x Zoom) verwendet wird. Ein aktivierter Makromodus führt zu Verzerrungen der Aufnahme (Abbildung 3). Andererseits führt ein deaktivierter Makromodus zu unscharfen Aufnahmen, wenn der Mindestabstand von etwa 24 cm [4] nicht eingehalten wird (Abbildung 4). Die empfohlene Mindestdistanz ist einzuhalten, um eine ausreichende Schärfe zu erzielen; anschließend kann der Bildausschnitt digital angepasst werden (Abbildung 5). Nur so bleibt die Bildgeometrie stabil, und es werden unnötige Verzerrungen vermieden.
Praktische Empfehlungen für die Fotografie mit Smartphones
• Aktivierung der Hauptkamera
• Deaktivierung des Makromodus
• Mindestdistanz von etwa 24 cm beachten
• Bildausschnitt verwenden
Fazit
Für den täglichen Einsatz bedeutet dies: Eine aufwendige Kameraausrüstung ist nicht immer zwingend notwendig. Während DSLR-Systeme für Publikationen und Langzeitdokumentationen unübertroffen bleiben, können Smartphones für schnelle Dokumentationen oder Patientenkommunikation sinnvoll eingesetzt werden. Insbesondere bei Vorher-Nachher-Bildern im ästhetischen Kontext genügt die Smartphone-Kamera, sofern die oben genannten Regeln beachtet werden.
Kontakt: DDr. Linda Schwarz
linda.schwarz@med.sfu.ac.at
Zahnklinik der Sigmund Freud Privatuniversität,
Freudplatz 3, 1020 Wien
Referenzen:
1. Teruya K, Park JH, Bay C (2025) Dental photography using digital single-lens reflex cameras vs smartphones. AJO-DO Clinical Companion 5 (1):26-34. doi:https://doi.org/10.1016/j.xaor.2024.11.004
2. Gangwani P, Chuang SK, Derenzi A, Aziz S (2024) Is there a difference in quality of photographs obtained using smartphones, compared to the photographs obtained via digital single-lens reflex camera? Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol 138 (5):613-618. doi:10.1016/j.oooo.2024.06.009
3. Nandhra K, Woolley J, Bister D, Sherriff M, Jeremiah H (2025) Smartphones or digital SLRs for clinical dental photography: is there a difference? Eur J Orthod 47 (4). doi:10.1093/ejo/cjaf033
4. Moussa C, Hardan L, Kassis C, Bourgi R, Devoto W, Jorquera G, Panda S, Abou Fadel R, Cuevas-Suárez CE, Lukomska-Szymanska M (2021) Accuracy of Dental Photography: Professional vs. Smartphone's Camera. Biomed Res Int 2021:3910291. doi:10.1155/2021/3910291
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DDr. Linda Schwarz