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ZMT sprach mit den Präsidiumskandidaten Dr. Franz Hastermann und Dr. Marius Romanin über ihr Programm.
Wie kam es zum Bündnis ZIV und NOVUM?
Romanin: Als wir uns im Mai 2025 zusammengesetzt haben, war schnell klar, dass hier Synergien möglich sind. Binnen 30 Sekunden haben wir abgehandelt, dass Franz Hastermann im Fall eines Wahlsiegs Präsident wird: Er hat über 30 Jahre Erfahrung in der Standespolitik und große Kompetenz, was den Kassenvertrag betrifft.
Hastermann: Es gibt nur wenige Felder, wo wir nicht derselben Meinung sind. Ich erlebe aber NOVUM und eine Vielzahl neuer KollegInnen als sehr engagiert.
Was ist ein „präventionsorientierter Kassenvertrag“?
Hastermann: Wir betreiben derzeit fast nur Reparaturmedizin. Wenn die Sozialversicherung endlich in Richtung Prophylaxe schwenkt, muss sie das auch adäquat bezahlen. Eine weitere Quersubvention durch uns ist nicht möglich.
Sie sprechen sich weiters für Versäumnishonorare aus?
Romanin: Ja, die Verluste, die wir durch nicht eingehaltene Termine haben, sind nicht in den Köpfen der Bevölkerung verankert. Uns erscheinen daher entsprechende Informationskampagnen notwendig.
Hastermann: Medizin ist sehr teuer und wenn in teuren Lokalen Gebühren bei Nicht-Erscheinen eingehoben werden, sollte das auch in Zahnarztpraxen erlaubt sein
Was ist zum Dauerbrenner Wohlfahrtsfonds zu sagen?
Romanin: In den letzten 5 Jahren hat sich der Höchstbeitrag von 28.000 auf 34.000 Euro erhöht - davon sind zahlreiche Kollegen betroffen. Im selben Zeitraum kam es zu einem Umsatzrückgang und einem Kaufkraftverlust insbesondere bei Kassenzahnärzten. Die Performance des Fonds ist sehr gut, das Vermögen wuchs von rund 800 Millionen auf 1,4 Milliarden. Insofern ist eine deutliche Senkung der Beiträge dringend angezeigt. Ich werde hier klare Kante zeigen. Die beschlossene Senkung des Höchstbeitragssatzes auf 12 Prozent ist für mich eindeutig ein „Tropfen auf dem heißen Stein" und zugleich „Wahlzuckerl“.
Hastermann: Ergänzen möchte ich noch, dass die Wiener Zahnärzteschaft 30% der Beiträge des Wiener Wohlfahrtsfonds zahlt, jedoch nur ca. 12% der Beitragszahler stellt.
Was bedeutet „Wir stärken das Kassenreferat“ genau?
Hastermann: Aus unserer Sicht leistet das Referat für Kassenangelegenheiten keine gute Arbeit. Es soll kein Verlautbarungsorgan der Kasse sein, sondern die Zahnärzteschaft gegenüber den Kassen vertreten. Falls sich die Konditionen bzw. Tarife des Kassenvertrags für die Kollegen und Kolleginnen seitens der Vertragspartner weiter verschlechtern, wird es im schlimmsten Fall keine Kassenzahnärzte und -ärztinnen mehr geben – was natürlich nicht im Sinne unserer Patienten wäre.
Wie kann man dem Mangel an Assistentinnen begegnen?
Romanin: Die Assistentinnen sind heute über soziale Medien gut vernetzt, es ist ein Arbeitsmarkt, wo sie sich die Praxen mit den besten Konditionen aussuchen können. Der Kollektivvertragslohn ist nicht sehr hoch, bei einer Erhöhung werden aber Praxen in manchen Regionen Probleme bekommen.
Hastermann: Eine Attraktivierung des Berufs kann u.a. durch Vereinfachen der Weiterbildungsmöglichkeiten gelingen. Langfristig steigt das Niveau der Assistentinnen steigt.
Welche Pläne haben Sie bei der Digitalisierung?
Romanin: Wir möchten bei der Digitalisierung Reformen einleiten und die Online-Präsenz in jeder erdenklichen Form stärken. Die Kammer ist eine Interessensvertretung und Serviceeinrichtung und wir haben Pläne, wie man online besser mit ihr in Kontakt treten kann. Hastermann: Die KI wird derzeit sträflich vernachlässigt; unser Kandidat für das Referat für Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Rezegh möchte alles rund um Social Media und KI zum Inhalt seiner Referatsarbeit machen.
Sie sehen eine zunehmenden Spaltung des Berufsstands?
Hastermann: Ja, ich meine das aber nicht politisch, sondern beziehe mich auf die Teilung in verschiedene Gruppen wie Kieferorthopäden, Chirurgen, usw. Wenn sich ein Kieferorthopäde nicht mehr als Zahnarzt sieht, finde ich das traurig und gefährlich. Gemeinschaftsgefühl und gegenseitiger Respekt der Gruppen ist extrem wichtig. Wir sind Zahnärzte und dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen. Wenn wir nicht gemeinsam auftreten, führt das zu einer massiven Schwächung.
Sie möchten auch die geriatrische Versorgung stärken?
Hastermann: Ja, zum Teil ist sie wirklich inexistent.
Romanin: Ein erster Schritt wäre getan, wenn es gelingt, die Wartezeiten beim Rücktransport von der Praxis zu verringern.
Wie lauten Ihre abschließenden Statements?
Hastermann: Die Standesvertretung hat in den letzten Jahren zwar Verbesserungen erreicht, das war aber zu wenig. Es herrschten Stillstand und Intransparenz. Ich sehe nach wie vor die Gefahr, dass der niedergelassene Bereich – das Rückgrat der zahnmedizinischen Versorgung – weiter geschwächt wird, wir von Konzernen und Ambulatorien zu Arbeitsameisen degradiert werden.
Romanin: Insofern hat es zumindest eine schiefe Optik, wenn Vertreter der Wiener LZÄK um die Genehmigung für private Ambulatorien angesucht und sie auch erhalten haben. Zudem wurden Funktionärsgehälter einzelner Standesvertreter in Wien teilweise mehr als verdoppelt. Dies hat dem Ansehen der Zahnärztekammer massiv geschadet. Abschließend möchte ich noch auf die drei Punkte eingehen, die mir am meisten am Herzen liegen: Die Zahnärztekammer hat in den letzten Jahren an Kompetenz verloren. Kollegen fragen sich „Wozu brauchen wir eine Kammer?“ Dem muss man entgegenwirken. Zweitens muss es beim Wohlfahrtsfonds zu einer Reduktion der Beiträge kommen, gerade angesichts von Kaufkraftverlust und Umsatzeinbußen. Und drittens sind die Kosten für Reparatur- und Servicetätigkeiten extrem gestiegen. Ich werde den Dentaldepots sagen: So nicht!
Langfassung des Programms unter: https://ww.bnz-wien.at
Priv.-Doz. Dr. PETER WALLNER Umweltmediziner und Medizinjournalist peter.wallner4@gmail.com
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