Gingivahyperplasie oder Zahnfleischwucherung kann durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, darunter schlechte Mundhygiene, Medikamente, kieferorthopädische Behandlung, hormonelles Ungleichgewicht, systemische Krankheiten und genetische Faktoren. Entzündungen, die durch Plaqueablagerungen aufgrund mangelnder Hygiene entstehen, sind eine Hauptursache, aber auch bestimmte Medikamente wie Antikonvulsiva und Kalziumkanalblocker können sie auslösen. Darüber hinaus können Hormonschwankungen in der Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause sowie Erkrankungen wie Diabetes, Leukämie und HIV zu einer Zahnfleischhyperplasie beitragen.
Anamnese
Eine 16-jährige Patientin stellte sich nach abgeschlossener kieferorthopädischer Behandlung an der Abteilung für Parodontologie der Zahnklinik der SFU Wien vor. In der Anamnese finden sich Hinweise auf eine chronisch nichtbakterielle Osteomyelitis im Jahr 2009 sowie ein Verdacht auf Chorea minor (rheumatisches Fieber), wogegen eine antibiotische Therapie durchgeführt wurde. Zum Zeitpunkt der Erstvorstellung nahm die Patientin keine Medikamente ein. Die letzte professionelle Zahnreinigung lag etwa ein Jahr zurück.
Verdachtsdiagnose
Gingivahyperplasie durch KFO-Behandlung und mangelhafte Mundhygiene.
Therapie
Nach der professionellen Zahnreinigung in zwei Sitzungen mit Abstand von zwei Wochen mittels Schall- und Handinstrumenten erfolgte die Zahnfleischmodellierung mittels Diodenlaser (Wellenlänge 940 nm, Marke Biolase, 1,3 W, CW, 300 micrometer faser, initiated.) Folgende Vorteile sind bei der Lasergingivektomie zu nennen:
• Keine Nähte
• Keine Nachblutung
• Verbesserte Heilung durch photobiomodulatorischen Effekt und geringe Schwellung oder Schmerzwahrnehmung bei Patienten.
Abschlussbefund
Beim Nachkontrolltermin nach sieben Tagen berichtete die Patientin, kein Schmerzmittel benötigt zu haben.
Fazit
Die im Fallbericht beschriebene Gingivahyperplasie bei einer jugendlichen Patientin ist höchstwahrscheinlich multifaktoriell bedingt, insbesondere durch mangelnde Mundhygiene und hormonelle Veränderungen in der Pubertät, wie es auch Agrawal (2015) beschreibt. Die gewählte Behandlung mittels Diodenlaser (940 nm) erwies sich als effektive und schonende Therapieform. Im Vergleich zu konventionellen chirurgischen Verfahren zeigt der Laser laut Mussa et al. (2017) eine bessere intraoperative Hämostase, geringere postoperative Beschwerden sowie ein günstigeres Heilungsverhalten. Im vorliegenden Fall konnte die Gingivahyperplasie ohne Naht, mit minimaler postoperativer Belastung für die Patientin und ohne Schmerzmittelbedarf erfolgreich therapiert werden. Für einen langfristigen Behandlungserfolg sind eine engmaschige Nachkontrolle sowie regelmäßige professionelle Zahnreinigungen unerlässlich
Referenzen:
Agrawal, A. A. (2015). Gingival enlargement: Differential diagnosis and review of literature. Journal of Indian Society of Periodontology.
Mussa, F. E., Awazli, L. G., & Alhamdani, F. (2017). Gingival enlargement management using diode laser 940 nm and conventional therapy (A comparative study). Iraqi Journal of Laser Part B, 16, 1–9.
Dr. med. dent. Arghavan Farrokhian
MSc, MClinDent (Periodontology)
Kontakt: Dr. med. dent. Arghavan Farrokhian MSc,
MClinDent (Periodontology)
Abteilung für Parodontologie der Zahnklinik der
Sigmund Freud Privatuniversität, Freudplatz 3, 1020 Wien