Innsbrucker Roboter - Keep on rolling

Seit Kurzem kommt am Innsbrucker Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Transportroboter Rollliver (siehe auch https://rolliver.com) zu Einsatz. Pro Tag legt er viele Kilometer zurück. Ein Factsheet der Tirol Kliniken liefert weitere Informationen: „Mittels Laser-Scanner tastet er permanent seine Umgebung ab und erkennt Menschen, Wände, Objekte. 3D-Infrarot-Sensoren helfen ihm, Objekte räumlich zu erkennen, Ultraschallsensoren erkennen Hindernisse im Nahbereich. Bodensensoren verhindern, dass er Stufen runterfährt.“ Weiters sendet er verschlüsselte Signale an automatische Türen, um sie zu öffnen. Und …„wenn Rolliver unsicher ist, bleibt er ste hen. Im Brandfall beendet Rolliver seine aktuelle Aufgabe und fährt zu einem definierten Sicherheitsbereich, Fluchtwege werden somit nicht blockiert.“ Zudem gibt es eine permanente Systemüberwachung. ZMT befragte Gabriele Holzknecht, Leiterin der Aufbereitung am Innsbrucker Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde über ihre Erfahrungen mit dem Transportroboter.

Wie lange arbeiten Sie schon im Bereich der Aufbereitung?

HOLZKNECHT: Ich arbeite seit 25 Jahren im Bereich der Aufbereitung.

Welche Aufgaben hat der Rolliver-Roboter bei der Aufbereitung? Ist für die Zukunft geplant, dass er weitere Aufgaben übernimmt?

HOLZKNECHT: Im Bereich der Zahnaufbereitung sammelt der Rolliver die kontaminierten Instrumente ein und bringt sie in die Aufbereitung. Ob darüber hinaus weitere Aufgaben vorgesehen sind, ist mir derzeit nicht bekannt.

Wie viele Stunden pro Tag ist der Roboter im Einsatz?

HOLZKNECHT: Unser Rolliver ist täglich von 9:45 Uhr bis 16:45 Uhr unterwegs. In dieser Zeit legt er ungefähr die Strecke von Innsbruck nach Telfs zurück. Dies sind circa 24 Kilometer. Diese Strecke sind zwei unserer Mitarbeiterinnen täglich gelaufen – man sieht also deutlich, was für eine große Unterstützung er für uns ist.

Wie oft fährt er die Behandlungseinheiten an?

HOLZKNECHT: Behandlungsbeginn der Studierenden und Ärzte ist in der Zahnklinik um 8:30 Uhr. Daher startet Rolliver gegen 9:30 Uhr seine erste Runde in der Zahnerhaltung, danach steuert er die Zahn-Akutambulanz sowie die Kieferorthopädie an und schließt seine Runde mit der zahnärztlichen Prothetik ab. Pro Abteilung ist er zwischen 15 und 20 Minuten unterwegs.Die jeweiligen Abteilungen können nach Bedarf Rolliver zusätzlich anfordern. Daher ist es für mich schwierig eine genaue Anzahl der „Runden“ anzugeben. Seine letzte Runde absolviert er gegen 17 Uhr, denn zu diesem Zeit punkt werden die Türen der Abteilungen automatisch geschlossen. Rolliver kann nur Schiebetüren in den Abteilungen eigenständig öffnen – aus Sicherheitsgründen sind die anderen Türen nur während den Behandlungszeiten geöffnet.

Wie viele Siebe kann er pro Fahrt transportieren?

HOLZKNECHT: Zwischen 25 und 30 kleine Siebe. Bei größeren Eingriffen, beispielsweise Wurzelbehandlungen, werden größere Siebe benötigt, somit vermindert sich logischerweise die Kapazität.

Auf welche Weise wird er bedient?

HOLZKNECHT: Der Rolliver wird über ein Tablet bedient. Dort kann gesteuert werden, in welche Abteilung er fahren soll. Den restlichen Ablauf übernimmt er eigenständig, zum Beispiel – wie gesagt – das Öffnen der Schiebetüren.

Wo sehen Sie die größten Vorteile des Roboters?

HOLZKNECHT: Zwei Mitarbeiterinnen sind nicht den ganzen Tag damit beschäftigt die kontaminierten Instrumente einzusammeln.

Wie sehen bisher Ihre Erfahrungen mit Rollliver aus?

HOLZKNECHT: Aus unserer Sicht stellt er wie erwähnt eine große Unterstützung dar, da sich die Mitarbeiter verstärkt auf das Verpacken und Zusammenstellen der gereinigten Instrumente konzentrieren können.

Gibt es Pläne, einen Kollegen anzuschaffen?

HOLZKNECHT: Diese Frage liegt außerhalb meiner Zuständigkeit. Hierfür ist unsere Bereichsverwaltung zuständig. Natürlich wünschen wir uns eine zweite „Mitarbeiterin“, diesmal eine Rollivia.

Gibt es noch einen Aspekt, den Sie erwähnen möchten?

HOLZKNECHT: Obwohl Rolliver als einziger „Mann“ bei uns im Einsatz ist, beschwert er sich nie – egal, wie oft er losgeschickt wird.

Herzlichen Dank für das Interview!

Priv.-Doz. Dr. PETER WALLNER
Umweltmediziner und Medizinjournalist
peter.wallner4@gmail.com 

V.l.n.r.: Gabriele Holzknecht, Gerald Slamanig und Cornelia Hagele