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Ein gesunder Mund ist auch der Schlüssel zu einem gesunden Körper, denn Zahnfleischerkrankungen werden mit nichtübertragbaren Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, rheumatoider Arthritis und Alzheimer in Verbindung gebracht. Immer mehr Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Parodontitis – eine schwere Form der Zahnfleischerkrankung – auch mit Erektionsstörungen und möglicherweise Prostatakrebs assoziiert ist. Dies unterstreicht einmal mehr, wie eng die Mundgesundheit mit der allgemeinen Gesundheit verknüpft ist. Männer mit Parodontitis haben laut aktuellen Analysen ein zwei- bis dreimal höheres Risiko für Erektionsstörungen. „Viele Erkrankungen und Zustände gehen mit erektiler Dysfunktion einher, darunter Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettstoffwechselstörungen, schlecht eingestellter Diabetes und Adipositas. Da diese Erkrankungen auch das Risiko für Parodontitis erhöhen, könnte ein Teil des Zusammenhangs auf diese gemeinsamen Risikofaktoren zurückzuführen sein“, erklärt James Deschner, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Ausschusses der Europäischen Föderation für Parodontologie. „Studien versuchen daher, solche gemeinsamen Risikofaktoren nach Möglichkeit auszuschließen, zu kontrollieren oder statistisch zu bereinigen, um den Zusammenhang zwischen diesen beiden Erkrankungen besser zu verstehen. Es können jedoch auch unbekannte oder noch nicht vollständig verstandene Risikofaktoren diesen Zusammenhang beeinflussen“, betont Deschner. Schwere Zahnfleischerkrankungen stellen ein bedeutendes globales Gesundheitsproblem dar, von dem weltweit mehr als eine Milliarde Menschen betroffen sind. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit etwa 3,7 Milliarden Menschen an Mundkrankheiten, einschließlich Parodontitis (11). Bei schwerer Parodontitis gelangen Mikroorganismen, deren Bestandteile und Produkte sowie Entzündungsmoleküle in den Blutkreislauf. Sie können dadurch direkte und indirekte Schäden, einschließlich Gefäßschäden, in anderen Körperregionen verursachen. Parodontitis kann frühe Gefäßveränderungen begünstigen, die als erste Anzeichen von Arteriosklerose gelten. Umgekehrt kann die Behandlung von Parodontitis zu einer Verbesserung dieser Veränderungen führen. Daher ist die Hypothese naheliegend, dass Parodontitis auch die Funktion der Penisgefäße beeinträchtigen könnte. Erektile Dysfunktion ist durch eine verminderte Erweiterung der Penisgefäße gekennzeichnet. Stickstoffmonoxid ist für die Erweiterung und somit für die Durchblutung der Penisgefäße notwendig; die Stickstoffmonoxidkonzentration sinkt jedoch bei oxidativem Stress. Arteriosklerotische Veränderungen, die durch proinflammatorische Zytokine gefördert werden, führen ebenfalls zu einer verminderten Erweiterung und Durchblutung der Penisgefäße. Durch Entzündungsmoleküle und oxidativen Stress könnte Parodontitis daher zu vaskulär bedingter erektiler Dysfunktion beitragen. „Studien deuten zudem darauf hin, dass Parodontitis die Spermienqualität und -menge beeinträchtigen kann, und mehrere Metaanalysen haben einen Zusammenhang zwischen Zahnfleischerkrankungen und Prostatakrebs festgestellt. Obwohl weitere Forschung nötig ist, um diese Zusammenhänge zu bestätigen, sind sich Experten einig, dass die vorliegenden Erkenntnisse die Bedeutung der Mundgesundheit für das allgemeine Wohlbefinden unterstreichen“, so Deschner. Männer haben tendenziell ein geringeres Gesundheitsbewusstsein, eine weniger konsequente Mundhygiene und rauchen häufiger und ernähren sich ungesünder. Die Verbesserung der Mundhygiene kann ein einfacher, aber wichtiger Schritt zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens von Männern sein. Die EFP empfiehlt, zweimal täglich mit fluorhaltiger Zahnpasta zu putzen, täglich die Zahnzwischenräume zu reinigen, regelmäßig professionelle Zahnreinigungen durchführen zu lassen und bei Zahnfleischbluten umgehend einen Zahnarzt aufzusuchen. „Mundgesundheit ist kein Luxus – sie ist ein wesentlicher Bestandteil der allgemeinen Gesundheit, insbesondere für Männer. Regelmäßige Zahnarztbesuche und eine angemessene tägliche Mundhygiene können dazu beitragen, Herzkrankheiten, Diabeteskomplikationen und sogar Erektionsstörungen vorzubeugen oder deren Auftreten zu verzögern“, betont Prof. Deschner. |
James Deschner, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Ausschusses der Europäischen Föderation für
Parodontologie |