Wahlkampf, 2. Teil - Das Forum Zahnärzte Wien im Interview

ZMT führte mit Dr. Birgit Vetter-Scheidl und Dr. Christiane Stokreiter-Ebner das folgende Interview.

Wie sieht Ihr Rückblick auf die letzten fünf Jahre aus?

Forum Zahnärzte Wien: Es war eine sehr gute und arbeitsintensive Zeit. Einiges gab es aufzuholen, wir haben frischen Wind in die Standespolitik gebracht und mit viel Einsatz neue Akzente gesetzt. Heute können wir sagen: Wir sind deutlich besser vernetzt und die Anliegen aller Zahnärzte und -ärztinnen finden auf zahlreichen Ebenen Gehör, bei Landes- und Stadtpolitik, bei Sozialversicherungsträgern und auch in Gremien, in denen wir bisher gar nicht vertreten waren wie zum Beispiel der Wiener Gesundheitsplattform.

Was waren aus Ihrer Sicht die größten Erfolge?

Forum: Die Vertretungsarbeit für die Wiener Zahnärzteschaft ist wieder spürbar und sichtbar, etwa mit dem neuen Zahnärztehaus. Seit 2024 sind alle Abteilungen der Zahnärztekammer für Wien an einem Standort. Davor waren die Kammerverwaltung, das Zahnärztliche Fortbildungsinstitut und die Abrechnungsstelle an verschiedenen Standorten. Hohe Mietausgaben und lange Wege waren die Folge. Heute haben wir eine bessere und günstigere Lösung. Auch unsere wichtigsten Prinzipien – Transparenz, mehr Service und ein sorgsamer Umgang mit den Mitteln der Kammer – sind etabliert.

Was heißt das konkret?

Forum: In den letzten Jahren haben wir das Service für Wiener Zahnärztinnen und -ärzte spürbar ausgebaut. Mehr Tempo, mehr direkte Unterstützung. Wir haben 156 Rundschreiben von Jänner 2022 bis Dezember 2025 verschickt, um alle zeitnah über Neuerungen zu informieren. Wir begleiten Ordinationsübernahmen und -übergaben, etwa durch unsere Ordi-Check-Veranstaltungen mit insgesamt 400 Teilnehmern. Für Berufseinsteiger bieten wir Info-Formate wie „Welcome to the job“ und wir sind laufend an der MedUni Wien und der Sigmund Freud Privat Universität präsent. Ganz wichtig ist uns die Bindung zu den Bezirken: In jedem Wiener Gemeindebezirk gibt es Vertreter, die in die Standespolitik eingebunden sind und mit Unterstützung der Kammer regelmäßige Treffen organisieren. Dazu kommen kostenlose Beratungen durch Juristen und einen externen Steuerberater. Digital haben wir eine Online-Plattform für Stellensuche und Stellenangebote für zahnärztliche Assistentinnen etabliert sowie eine Vertreter- und Jobsharing-Börse. Und erstmals gab es in unserer Funktionsperiode auch Umfragen unter Kollegen/innen, damit wir die Meinung der Wiener Zahnärzteschaft fundiert in die Bundesgremien einbringen können. Nicht blockieren und verhindern ist das Ziel, sondern den Kolleginnen und Kollegen mit gangbaren Wegen den Alltag zu erleichtern. Der Jahresbericht gibt Einblick in die Tätigkeiten der Referate und legt die Finanzen offen. Darüber hinaus ist ein direkter Austausch mit dem Finanzreferenten möglich.

Wie steht die Kammer finanziell da und was heißt das für die Beiträge?

Forum: Der Umbau des Zahnärztehauses ist abgeschlossen und abgerechnet. Wir haben so gut gewirtschaftet, dass wir die Ersparnis an die Kollegenschaft weitergeben können. Daher wurde Ende vorigen Jahres im Landesausschuss für 2026 eine Senkung der Kammerbeiträge von 1,75% auf 1,5% beschlossen. Damit sind wir das Bundesland mit dem geringsten Prozentsatz. Da die Beiträge immer rückwirkend vorgeschrieben werden, merken die Kollegen und Kolleginnen die Ersparnis ab 2027 im Börsel.

Was hat nicht so gut funktioniert?

Forum: Es ist uns noch nicht gelungen, alle Kollegen und Kolleginnen mit unseren Service-Angeboten zu erreichen. Die frühere Kammerführung war so unnahbar, dass nach wie vor viele versuchen, Infos über soziale Medien zu beziehen. Viel besser ist es, zum Telefonhörer zu greifen und sich eine kompetente Auskunft vom zuständigen Referenten zu holen. Wir stehen dazu: Keine Anfrage bleibt unbeantwortet. Fakt ist auch, dass wir nur als geeinte Berufsgruppe stark auftreten können. Da suchen wir weiterhin einen Weg, die Wiener Zahnärzteschaft zu vereinen. Gespräche dazu hat es mit den Vertretern des ZIV und NOVUM gegeben. Unser Kooperationsangebot wurde bisher nicht angenommen, die Türe steht aber weiterhin offen.

Was sind Ihre wichtigsten Anliegen für die nächste Funktionsperiode?

Forum: Wir nehmen den Schwung der Veränderung in die nächsten fünf Jahre mit. Wir haben einiges erreicht, jetzt steht ein Team mit profunder Erfahrung in den Startlöchern, das bis 2031 weiterhin gute Arbeit leisten wird.
Die Schwerpunkte der nächsten fünf Jahre sind:
1. Förderung der Prophylaxe, damit wir in puncto Karieshäufigkeit nicht länger zu den europäischen Schlusslichtern gehören.
2. Vereinbarung von Familie und Zahnmedizin: Aktuell verhandeln wir den Gruppenpraxen-Vertrag. Unser Ziel ist es, damit insbesondere Kolleginnen die Niederlassung spürbar zu erleichtern.
3. Mitgestaltung des neuen Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG), mit einem klaren Ziel: Niederlassung vor Ambulatorien zu verankern. Wir nehmen bereits an der Re-Evaluierung des RSG teil und werden diesen Hebel künftig zielführend nutzen.
4. Ausbau der Absicherung für Neustarter im niedergelassenen Bereich und für Job-Sharer durch eine günstige Betriebsunterbrechungsversicherung.
5. Eine moderne Kammer mit digitalem Mitgliederbereich: Stammdaten selbst ändern, Vertretungs- und Fortbildungspunkte einsehen und Verwaltungswege vereinfachen.
6. Vernetzung aller Wiener Zahnärztinnen und -ärzte. Wir wollen Austausch und Zusammenhalt weiter stärken - fachlich, organisatorisch und standespolitisch.
7. Eine noch stärkere Verankerung im Wiener Gesundheitswesen, damit wir im Sinne der Kollegenschaft weiterhin mitreden und den Alltag trotz Vorschriften und steigender Anforderungen erleichtern können.

Herzlichen Dank für das Interview!

Priv.-Doz. Dr. PETER WALLNER
Umweltmediziner und Medizinjournalist
peter.wallner4@gmail.com

 

Dr. Birgit Vetter-Scheidl (re) und Dr. Christiane Stokreiter-Ebner