Sigmund Freud PrivatUniversit├Ąt - Konservierende Zahnheilkunde

Univ.-Prof. DDr. Barbara Cvikl studierte in Wien Medizin und Zahnmedizin; während des Studiums der Zahnheilkunde war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Abteilung für MKG-Chirurgie. Anschließend arbeitete sie als Universitätsassistentin und später Assistenzprofessorin an der Abteilung für Konservierende Zahnheilkunde bzw. Zahnerhaltung und Parodontologie der Universitätszahnklinik Wien. Von 2006 bis 2011 war sie auch in der Privatpraxis tätig. 2015 erfolgte die Habilitation, und Ende 2018 übernahm sie den Lehrstuhl für Konservierende Zahnheilkunde an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien.

Was sind Ihre Schwerpunkte im Bereich von Forschung und Lehre?

CVIKL: In der Lehre ist es mir ein großes Anliegen, den Studentinnen und Studenten Begeisterung für die Zahnerhaltung mitzugeben. Der möglichst lange Erhalt der eigenen Zähne mit Hilfe einer individuellen Betreuung durch geeignete Prophylaxe, Motivation der Patienten und bei Bedarf einer zahnsubstanzschonenden Restauration steht im Fokus. In den letzten Jahrzehnten hat es in der Zahnerhaltung wahre Paradigmenwechsel gegeben: weg von der alten „drill and fill“-Mentalität hin zu „heal and seal“. Besonders wichtig ist mir die individuelle Betreuung der Patienten mit modernsten Methoden wie z.B.: die Implementierung von Kariesindizes (ICDAS), die auch Vorstufen der Karies beinhalten und entsprechende Therapieoptionen ermöglichen, Infiltrationstechniken, Wurzelkanalbehandlungen mit Hilfe des OP-Mikroskops, maschineller Aufbereitung und Aktivierung der Spülflüssigkeit, um Zähne, die früher extrahiert werden mussten noch erhalten zu können. Die Einführung in die digitale Welt erfolgt mittels prepCheck-System, bei dem Studierende ihre Beschliffe selbständig scannen und mit einer Vorgabe digital matchen, um ideale Beschlifftechniken einzustudieren, und durch digitale Abformungen bei den Patienten. Natürlich geht es auch darum, die gesteigerten ästhetischen Wünsche der Patienten mit Hilfe von Bleaching, ästhetischen Füllungen und hochwertigen technischen Arbeiten erfüllen zu können. Mein Steckenpferd in der Forschung ist die Zellkultur, die Erforschung der Reaktion von humanen Zellen der Zahnpulpa auf mögliche regenerative Methoden bzw. die Reaktion humaner Weichgewebszellen auf Substanzen, die wir für eine gute Mundhygiene benötigen wie z.B. verschiedene Zahnpasten und ihre Inhaltsstoffe. Weitere Schwerpunkte meiner Forschung liegen in der Untersuchung verschiedener in der konservierenden Zahnheilkunde verwendeter Materialien wie Zemente, Füllungsmaterialien und Bleichmittel.

Was ist bei der Fissurenversiegelung alles zu beachten?

CVIKL: Die richtige Patientenauswahl. Bei einer korrekt durchgeführten Fissurenversiegelung mit entsprechender regelmäßiger Kontrolle kann die Versiegelung einen absoluten Schutz der versiegelten Fläche geben. Die meist jungen Patienten dürfen sich jedoch nicht in falscher Sicherheit wiegen und in Folge die Mundhygiene oder die regelmäßigen zahnärztlichen Kontrollen vernachlässigen. Die Versiegelung schützt nur die versiegelten Areale und somit nicht den Zahnzwischenraum. Zudem ist der Schutz nur so lange gegeben, wie die Versiegelung vollkommen intakt ist. Dies muss unbedingt kontrolliert werden, da bereits kleine Defekte, die von den Patienten manchmal gar nicht wahrgenommen werden, das Eindringen von Plaque ermöglichen und somit die Entstehung von Karies begünstigen.

Wie sieht der aktuelle Wissensstand zum Thema „Zementieren oder Kleben bei Vollkeramikrestaurationen“ aus?

CVIKL: Dies ist eine Frage, die man sehr schwer in Kürze beantworten kann, da es eine Vielzahl an Keramiken gibt, die teilweise unterschiedlich zu behandeln sind. Eine ganz grobe Einteilung kann so getroffen werden, dass Silikatkeramiken mit Festigkeitswerten <350 MPa adhäsiv befestigt werden müssen, Oxidkeramiken sollten, wenn ein retentiver Beschliff möglich ist, konventionell zementiert werden, wobei aber bei fehlender Retention auch eine adhäsive Befestigung möglich ist. Lithiumdisilikat kann ebenfalls konventionell befestigt werden, da die Festigkeitswerte über 350 MPa liegen, aber auch hier ist ein adhäsiver Verbund mit dem Zahn möglich. Die neueren Hybrid- und Verbundkeramiken bedürfen einer adhäsiven Befestigung.

Wie kam es zu Ihrem Wechsel an die SFU?

CVIKL: Obwohl ich mich an meiner Alma mater, der MedUni Wien, immer sehr wohl gefühlt habe und tolle Möglichkeiten im Bereich der Forschung hatte, war natürlich der Reiz, eine Abteilung nach eigenen Vorstellungen zu führen und überhaupt bei der Implementierung der konservierenden Zahnheilkunde in einem absolut neuen Studium dabei zu sein, sehr groß. Meine Erfahrungen an der Univ.-Zahnklinik Wien sowie als ERASMUS-Fachbereichs-Koordinatorin mit anderen europäischen zahnmedizinischen Universitäten und mein über zwei Jahre andauernder Aufenthalt an der Universität Bern haben mir eine Vorstellung gegeben, wie ich mir eine ideale Ausbildung im Bereich der konservierenden Zahnheilkunde vorstelle. Infolgedessen habe ich mich an der SFU für den entsprechenden Lehrstuhl beworben und bin dem Ruf an die SFU hoch motiviert gefolgt.

Bitte um eine kurze Vorstellung der Abteilung!

CVIKL: Die Abteilung für konservierende Zahnheilkunde betreut die Studierenden der Zahnmedizin ab dem 3. Jahr im Bachelorstudium sowie während des gesamten Masterstudiums mit sehr intensiven theoretischen und praktischen Einheiten sowohl am Phantomkopf als auch später bei der Behandlung der Patienten. Somit können meine Kollegen und ich den Studierenden bereits sehr früh mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Gibt es noch einen Punkt, den Sie gerne erwähnen möchten?

CVIKL: Ja; ich hoffe, dass wir es schaffen, dass sich die Studierenden immer positiv an ihre Ausbildung erinnern und sowohl fachlich als auch ethisch hervorragende Zahnärztinnen und Zahnärzte werden. Zudem würde es mich sehr freuen, wenn wir auf internationaler, aber auch auf nationaler Ebene Forschungskooperationen vertiefen und aufbauen können.

Herzlichen Dank für das Interview!

Priv.-Doz. Dr. PETER WALLNER
Umweltmediziner und Medizinjournalist
peter.wallner4@gmail.com

Univ.-Prof. DDr. Barbara Cvikl