Jugendliche und junge Erwachsene: Tattoos – eine nicht mehr zu übersehende Krankheitsursache

„Schwellung des linken Unterkiefers und Kinns bis in den Halsbereich seit mehr als sieben Wochen“ stand auf dem Überweisungsträger des 18-jährigen Mädchens. Eine Hübsche, eigentlich, allerdings sah sie jetzt aus als hätte sie sich geprügelt.

Der Kollege, der sie mir zu Abklärung geschickt hatte, konnte keine zahnärztliche Ursache für das Geschehen finden, und auch HNOärztlich war kein Zusammenhang gefunden worden. Anamnestisch hatte das junge Mädchen eine ca. sechs Wochen vor dem Anschwellen durchlebte Maserninfektion angegeben. Allerdings hatte der Hausarzt im Labor den Verlauf kontrolliert und das Abklingen der Virusinfektion war bereits bestätigt worden. Als ich vor meiner Untersuchung noch einmal fragte, ob sich sonst irgendetwas in diesem zeitlichen Rahmen verändert hätte – Stress, Trauma, Umzug ... irgendwas –, meldete sich die bis dahin ruhig im Eck sitzende Mutter zu Wort: „Hanna ist 18 geworden und hat sich ein Tattoo am Handgelenk stechen lassen“. Auf die Bitte, mir das Tattoo zu zeigen, bekam ich drei filigrane Röschen am Handgelenk zu sehen. Ich hatte zwar bereits erlebt, welche gravierenden Folgen ein großflächiges Tattoo über Arm, Oberkörper und Oberschenkel haben kann, aber ich war eher skeptisch, ob so ein kleines Tattoo für die Schwellung ursächlich sein könnte. Allerdings waren um die feinen Linien immer noch eine leichte Schwellung und Rötung erkennbar. Und die Belastungsfähigkeit eines jeden Menschen ist sehr unterschiedlich.

Lymphknotenschwellung

Die Untersuchung bestätigte dann allerdings den Verdacht: Palpierbar war eine Lymphknotenschwellung sowohl der Halslymphknoten als auch der subachsillären Lymphknoten. Diese waren nur, weil nicht im sichtbaren Bereich, für Hanna nicht von entsprechender Relevanz gewesen. Das Areal an der Cisterna Chyli war druckempfindlich. Die Zungendiagnostik wies auf eine massive Leberbelastung hin. In der Untersuchung mittels funktioneller Myodiagnostik konnten alle gefundenen Dysreaktionen durch Nosoden der Metalle Eisen, Nickel und Quecksilber aufgehoben werden. Metalle finden bekanntermaßen in vielen Tattoo-Farben als stabiler Farbgeber Verwendung. Zusätzlich fand ich in der Untersuchung eine Narbensalbe, die den lokalen Befund an der Tattoostelle negierte. Zur Unterstützung der Entgiftung konzentrierten wir uns auf Lebermittel und Lymphmittel. Bei der massiven Belastung reagierte Livercleans gut, eine Kombination aus Pflanzenextrakten (unter anderem Mariendistel, Löwenzahnwurzel und Artischocke) und Antioxidantien. Es ist meist ein Einstiegsmittel, wenn selbst der Alkohol eines Pflanzenauszugs schon zu viel an Mehrlast für die Leber wäre. Als geeignetes Lymphmittel passte deshalb auch Lymphophön, da es ebenfalls viele leberstützende Komponenten enthält. Zusätzlich bekam die Patientin Medikamente zur Bindung der freien Partikel. Hier sind vor allem Algen wie Spirulina oder Chlorella beschrieben, aber auch Zeolithe. All diese Stoffe wirken kühlend auf den Körper. Da die Patientin allerding ohnehin schon ein dauerndes Gefühl zu frieren angab, bot sich Heilerde, eine wärmende Substanz mit hoher Bindungskapazität, als geeignet für sie an, was auch im Test bestätigt werden konnte. Zusätzlich probierten wir verschiedene organische Schwefelverbindungen, wie sie auch in der Chelattherapie zur Schwermetallausleitung eingesetzt werden. Einen positiven Effekt zeigte MSM, welches neben der Schmerzbehandlung auch bei allergischen Reaktionen zur Entgiftung eingesetzt wird. Mit einem entsprechenden Therapieplan wurde die Patientin von uns entlassen.

Schwellung abgeklungen

Die Kontrolle erfolgte acht Wochen später. Die Schwellung sowohl im Kopf-Hals-Bereich als auch am Tattoo selbst war vollständig abgeklungen. Die Zunge zeigte eine reduzierte, wenn auch immer noch vorhandene Leberbelastung. Allerdings war ich mir sicher, dass wir uns auf dem richtigen Weg befanden. Der für mich unerwartete Verlauf war, dass trotz des für Hanna sichtbaren und spürbaren Therapieerfolgs sie nach Rücksprache mit ihrem Tätowierer daran zweifelte, dass es einen Zusammenhang zwischen ihren Beschwerden und dem Tattoo geben würde. Laut Aussage des Tätowierers hätten seine verwendeten Farben eine Zulassung und seien deshalb nicht problematisch. Nur, was sollte jemand, der von der Verwendung dieser Farben lebt, auch anderes sagen? Wie viel medizinischen Hintergrund kann man in einem Beruf ohne konkrete Ausbildungsrichtlinien erwarten? Hanna, deren großer Traum es laut eigener Aussage ist, sich den kompletten Arm und Hals mit Rosen tätowieren zu lassen, sah das anders. Sie vertraute ihrem Tätowierer und hatte bereits ihren nächsten Termin zur Fortführung des Kunstwerkes vereinbart. Obwohl ihre Mutter heftig intervenierte und ich nochmals versuchte ihr die Zusammenhänge klarzumachen, blieb es am Ende Hannas Entscheidung. Tattoos werden uns in der Medizin in den nächsten Jahren vermutlich eine Menge Arbeit bescheren. Waren sie vor Jahren noch etwas Besonderes, sind sie inzwischen scheinbar allgegenwärtig. In den USA tragen bereits um die 25% der Bevölkerung ein Tattoo, in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind es etwa 10 bis 15%. Allerdings hängt die Zahl der Tätowierten auch sehr von der Altersklasse ab, denn in der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen sind es bereits zwischen 30 und 40%. Ganz unabhängig davon, dass man davon ausgeht, dass mindestens 50% der Tätowierten ihre Körperkunst irgendwann bereuen, birgt sie erhebliche gesundheitliche Risiken über die in der Szene scheinbar keinerlei Bewusstsein besteht.

Umfrage in New York

Dr. Mary Leger, Hautärztin in New York, führte eine Umfrage unter 300 tätowierten Menschen durch. 10% gaben an, nach einer Tätowierung merkliche Reaktionen beobachtet zu haben, wie etwa Ausschläge, Schwellungen, Entzündungen, Rötungen oder Juckreiz, eine normale Reaktion auf die Hautverletzung und das Einbringen von Fremdkörpern. Allerdings gaben auch 60% dieser Gruppe an, noch Jahre nach der Tätowierung merkliche Gesundheitsprobleme zu haben wie z. B. chronische Infektionen, eine bleibende Schwellung, Allergien oder auch Knötchen unter der Haut, in denen Farbinhaltsstoffe eingeschlossen und vom Körper verkapselt wurden. Reaktive Lymphadenopathien und in den Farben der Tattoos leuchtende Lymphknoten im Rahmen von Lymphknotenentfernungen bei Tumorbehandlungen sind in der Medizin inzwischen ebenfalls gut dokumentiert. Ebenso belegt eine entsprechende Studie der New York University (2013), dass Tätowierte häufiger an Hepatitis C erkranken, die oft erst 20 bis 30 Jahre nach der Tätowierung klinisch auffällig wird. Man rechnet mit einer regelrechten tattoobedingten Hepatitis-C-Welle. Während früher das Hauptproblem bei Tattoos sicher die Hygiene in den Studios war, ist heute wohl eher das medizinische Unwissen um die Folgen eines Tattoos und die Einstufung als Kosmetik das Thema. Wolfgang Bäumler, Physiker an der Universität Regensburg, der sich bereits seit Ende der 1990er-Jahre in zahlreichen Untersuchungen mit dem Thema auseinandersetzt, kritisiert, dass in diesem Bereich Zulassungen erfolgen, ohne dass wirklich Wissen über die Wirkung der Farben – vor allem nicht über langfristige Folgen – bekannt ist. Bäumlers Studien flossen zwar in die Tätowiermittelverordnung ein, die verbotene Inhaltsstoffe von Pigmenten auflistet, doch es werden immer neue Farben entwickelt – bis hin zu Neonfarben, die in der Dunkelheit unter der Haut leuchten. Die Langzeitfolgen davon sind allerdings noch völlig unbekannt. Infolgedessen finden sich in den Farben nahezu alle Arten von Giften, die – einmal injiziert – nicht mehr vollständig entfernt werden können und sich sodann im Körper einlagern. Ähnlich wie Impfstoffe enthalten auch manche Tattoo-Farben Quecksilber (bis zu 6.000 ppm) – wie das Labor von Natural News feststellte. Weitere Untersuchungen zeigten, dass Tattoo-Farben noch andere Schwermetalle wie Titan, Kupfer, Chrom und Eisen enthalten können. Eine italienische Studie von 2009 identifizierte Cadmium, Kobalt, Chrom und Nickel in allen 13 untersuchten Tattoo-Farben. Im Jahr 2012/2013 untersuchte auch ÖKO-TEST 20 Tattoo-Farben. Man fand in jeder dritten Farbe starke Belastungen von unter anderem krebsverdächtigen oder konkret krebserregenden Stoffen wie PAK (Polycyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), Nitrosamine, aromatische Amine, Formaldehyd und Formaldehydabspalter, halogenorganische Farbstoffe und Konservierungsmittel wie Benzoisothiazolinon. Die gefundenen Mengen waren so hoch, dass die betreffenden Farben mit einem Verkaufsverbot aus dem Handel hätten entfernt werden müssen. Der letztgenannte Stoff ist sogar so allergen, dass er nicht einmal für Kosmetika zugelassen ist. All diese Faktoren machen klar, wieso das Thema Tattoos längst nicht mehr ein Thema des Geschmacks ist, sondern in unsere Praxen und die Aufklärung unserer Patienten im Bereich Lifestyle zur langfristigen Gesunderhaltung miteinbezogen werden muss. Hanna meldete sich übrigens neun Monate später, nach einer  deutlichen Verschlechterung ihrer allgemeinmedizinischen Situation, noch einmal wieder. Zu diesem Zeitpunkt und aufgrund der nun erheblich größeren Belastung durch das großflächige Tattoo sah ich die Notwendigkeit, sie an einen Spezialisten für Chelattherapie zu überweisen. Neben laufender Stützung der Lymph- und Entgiftungssysteme hat sie seither mehrere Chelatinfusionen und lokale Injektionen im Tattoobereich erhalten. Eine Tattooentfernung mit Laser, wie sie aus optischen Gründen vorgenommen wird, kommt nicht infrage, da so die Pigmente weiter in die Tiefe gelangen und sich von dort über das ganze System ausbreiten.

Dr. EVA MEIERHÖFER
FA für Oralchirurgie
Klagenfurt
praxis@meierhoefer.at