Marketing mit neuen Medien: Abseits des Browsers

Die Visitenkarte im Internet wird immer wichtiger, je mehr potenzielle Patienten damit aufgewachsen sind und, bevor sie das Telefonbuch aufschlagen, lieber googeln. In dieser Serie versuchen wir, Ihnen einen kurzen, praxisbezogenen Ratgeber für Ihr Internet-Marketing zu geben.

Abgesehen von einer Website bietet das Internet noch andere Möglichkeiten zum Marketing. Ein Recall-Service ist auch im Rahmen der Werberichtlinien ebenso erlaubt wie Newsletter an Patienten. Verboten sind E-Mail-Aussendungen an Personen, die über den Patientenkreis hinausgehen.
Bei Newslettern muss immer die einfache Möglichkeit bestehen, sie abzubestellen. Newsletter-Tools, kleine Programme, die bei der Verwaltung von Newslettern helfen und ins CMS integriert werden können, erledigen die Verwaltung automatisch. Die meisten Menschen kennen aus eigener Erfahrung jene kleine Zeile zum Abbestellen am Ende eines Newsletters, der auf eine Internetseite führt, wo die Abbestellung vollzogen wird. Dahinter steckt ein Newsletter-Tool wie oben beschrieben.
Solche Tools werden nicht zuletzt von spezialisierten E-Mail-Marketing-Providern angeboten. Auf deren Dienste zurückzugreifen, bietet neben der einfachen Adressenverwaltung noch weitere Vorteile: Sie liefern Statistiken über den Zugriff der Kunden auf den Newsletter, entdecken Adressen, bei denen nicht zugestellt werden kann, und sorgen dafür, dass Ihr Newsletter durch die Spamfilter der Kunden geht. Letzteres ist speziell bei jenen Anbietern gewährleistet, die Mitglied der Certified Senders Alliance* sind. Außerdem können die Newsletter einfach auf der eigenen Website im CMS gestaltet werden, und falls das E-Mail-Programm des Empfängers den Newsletter nicht richtig darstellt, leitet ein Link zu der Newsletter-Darstellung im Browser (auch diese Funktion wird vielen von der Userseite her bekannt sein).

Laiengerecht und regelmäßig

Inhaltlich ist auch beim Newsletter auf laiengerechte Themen und Formulierungen zu achten. Wenn Sie sich ein neues Röntgengerät angeschafft haben und das Ihren Pati-entInnen mitteilen wollen, interessieren die sich eher wenig für die Zahl der Mikrosivert. Den meisten wird ein „jetzt noch weniger Strahlenbelastung" genügen. Noch besser verweist man auf die unmittelbaren Vorteile für den Patienten, etwa, wenn der Film nicht mehr mit der Hand gehalten werden muss.
Es müssen aber nicht unbedingt wirklich Neuigkeiten im Newsletter stehen. Im November kann man ganz allgemein über die Auswirkungen der weihnachtlichen Süßigkeiten auf die Zähne berichten und darüber, wie Schäden vermieden werden können. Im Frühjahr kann man die Patienten daran erinnern, dass ein Besuch beim Zahnarzt rechtzeitig vor den Ferien eventuell Probleme während derselben verhindern kann. Solange die Texte neutral informieren, sind der Fantasie hier kaum Grenzen gesetzt.
Vorteilhaft ist es, die Newsletter regelmäßig zu verschicken und einige Texte vorbereitet zu haben, falls man in Zeitnot gerät. Der Abstand von einem Monat ist meist günstig, da einem so nicht so leicht die Themen ausgehen, andererseits die PatientInnen auch nicht auf den Zahnarzt vergessen.

Social media

Ob Facebook, Twitter oder der eigene Blog: Sie können sehr wertvoll sein, speziell um junge Kunden anzulocken und auf das eigene Angebot aufmerksam zu machen. Aber sie kosten Zeit. Viel Zeit. Speziell bei den sehr schnellen sozialen Medien ist das richtige Maß gar nicht so leicht zu finden. Einige Leute auf Facebook berichten täglich, wo sie sind und was sie tun und geben einem das Gefühl, sie würden am liebsten auch über den täglichen Stuhlgang berichten. Das interessiert höchstens den Ehemann oder die Ehefrau - wenn überhaupt. Als Grundsatz gilt auch hier: Interessantes bieten und mäßig, aber regelmäßig posten. Was im monatlichen Newsletter in vier Punkten steht, kann hier in vier Portionen jede Woche berichtet werden. Der Newsletter kann auch einfach auf die jeweilige Seite verlinken - bei vielen sozialen Medien können aber nur Mitglieder mitlesen.
Wichtig ist, sich immer an zwei Dinge zu erinnern: Erstens die Werberichtlinien (Ansehen des Standes, keine Markschreierei) und zweitens die Tatsache, dass sich diese Form des Internets von einem Einweg- zu einem Dialogmedium gewandelt hat. Auf Ihrer Website kann Ihnen niemand widersprechen. Auf sozialen Plattformen hingegen entstehen lebhafte Diskussionen. Zeigen Sie sich hier allerdings als ehrlicher und kompetenter Ansprechpartner, dann ist das so ziemlich die beste Werbung, die sie (vom Zeitaufwand abgesehen) gratis bekommen können.
Gerade als Zahnarzt müssen Sie freilich auch mit Anfragen wie „Mein linker unterer Zahn tut weh, was kann ich tun?" rechnen. Und zwar nicht einmal, sondern gefühlte Millionen Male. Das Internet hat allerdings einen gewaltigen Vorteil gegenüber dem „realen" Leben: Wer gerade nicht in der Stimmung ist, zu kommunizieren, muss es auch nicht tun. Bevor Sie im eigenen Ärger den potenziellen Kunden verärgern, schalten Sie den Computer aus, spielen Sie mit den Kindern oder gehen Sie mit dem Hund spazieren und beantworten Sie die Anfrage in gelassenerer Stimmung am nächsten Tag (zum gefühlten hunderttausendsten Mal). Portale etwas anderer Art sind Xing oder LinkedIn. Sie wenden sich bewusst und gezielt an jene, die an beruflichem Austausch interessiert sind, während Facebook ursprünglich eher für private Kontakte gedacht war. Entsprechend anders ist der Umgangston. Doch auch hier müssen die Werberichtlinien im Blick gehalten werden. Also neutral formulieren und den Kollegen selbst dann nicht ans virtuelle Bein pinkeln, wenn sie es verdient haben. Theoretisch könnten auch Video-Plattformen wie Youtube zur Werbung benutzt werden, allerdings gilt auch hier: Professionell oder gar nicht. Und professionelle Filme übersteigen wohl die Werbemittel der meisten Zahnärzte. Für Kleinunternehmen, die nur lokal begrenzt arbeiten, steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Livia Rohrmoser

Der Tipp unserer Experten

Alle sozialen Medien sind - wie der Name schon andeutet - für soziale Menschen besonders geeignet. Wer sich gerne mitteilt, wer Freude daran hat, sich mit anderen auszutauschen, der wird auch seine Freude an den sozialen Medien haben und seine Zeit gerne investieren. Wer abseits der Ordination nichts mehr mit dem Beruf zu tun haben will, der sollte entsprechend auch Facebook und Co nur für private, nicht aber für berufliche Zwecke nutzen. Ein „toter" Account, der seit Monaten nicht mehr upgedatet wurde, wirkt entsprechend auf die anderen. Überlegen Sie daher gut, ob Sie die Zeit dafür aufwenden wollen und können. Denken Sie dabei aber auch daran, dass Sie hier viele neue Patienten gewinnen können.

* http://www.certified-senders.eu

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